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In kleinem Kreis
Wegen der Kontaktbeschränkungen durch die Corona-Pandemie haben die Ehrenamtlichen ihr 20-jähriges Jubiläum am 02.Oktober 2020 unter sich gefeiert, in bester Stimmung bei einem gemeinsamen Essen.
...und etwas Süßes darf nicht fehlen.
Die Ehrenamtlichen bedanken sich bei den Initiatoren Antje & Jürgen
Neben Antje und Jürgen Wenzel sind auf dem Foto von links nach rechts Renate S., Karin, Renate H., Heide, Andrea und Oswald zu sehen, die von der ersten Stunde dabei sind. Respekt.
Fotos: Petra Ahrens
Seit  20 Jahren werten Ehrenamtliche die lokalen Tageszeitungen in  Delmenhorst aus und versorgen Blinde und Sehbehinderte mit einer gelesenen Zeitung.
Initiative feiert rundes Bestehen
Gerwin Möller (Weser-Kurier) 14.09.2020


J
Foto: Ingo Möllers

Jürgen Wenzel beobachtet Christel Quast (in der Sprecherkabine) und Margret Gerdes beim Einspielen der Texte.
„Ob  Angela Merkel Schnupfen hat, ist uns nicht wichtig, wir zeigen  Interesse, wenn der Oberbürgermeister gestolpert ist“, sagt Jürgen  Wenzel. Überregionale Ereignisse werden bei den Treffen im Tonstudio des  Familienzentrums Villa weitgehend ausgespart. „Darüber wird ohnehin am  Abend in der Tagesschau berichtet“, erläutert Wenzel, somit widme sich  das Team der Delmenhorster Hörzeitung den regionalen Themen. 30  Ehrenamtliche recherchieren keine eigenen Artikel, sie werten das aus,  was Journalisten schon veröffentlicht haben und sprechen die Texte für  Menschen ein, die selbst nicht lesen können. Ihre Publikation wird auch  nicht gedruckt, die Hörzeitung wird auf Compact Disc überspielt und  kommt mit der Post ins Haus.
Seit 20 Jahren werden die Artikel aus  den örtlichen Tageszeitungen gesichtet, das jeweils Interessanteste  ausgewählt und eingelesen. Die Adressaten sind Blinde oder Menschen, die  sehr schlecht sehen können. „Die Geschehnisse in unserer unmittelbaren  Umgebung kommen nicht oft ins Radio oder in die  Fernsehberichterstattung, aber unsere Kundschaft möchte genau darüber  auch in Kenntnis gebracht werden“, sagt Jürgen Wenzel. Das weiß er von  seiner Frau, Antje Wenzel ist blind, sie zeigt sich aber über manches  lokale Ereignis viel besser informiert als ihr Ehemann: „Weil ich die  Hörzeitung verfolge“, sagt sie.
Vor 21 Jahren, so berichten Antje  und Jürgen Wenzel, kamen Ulrich Gödel, damals Behindertenbeauftragter  bei der Stadt, und Ex-Oberstadtdirektor Norbert Boese auf die Idee, eine  Zeitung für Blinde ins Leben zu rufen. Der Vorschlag passierte den  Blindenstammtisch, und man schritt in die Realisierung. „Es hat wohl ein  Jahr gedauert, bis Aktive geworben waren und das Equipement angeschafft  wurde“, sagt Jürgen Wenzel. Am 2. Oktober vor 20 Jahren ging die erste  Hörzeitung in den Vertrieb.
Die erste Dekade wurde der Informationsdienst auf Toncassetten  gesprochen. Dann kam die Umstellung auf rauschfreie CDs. „Die Technik  ist eigentlich recht übersichtlich, dennoch wurde der Schalter zur  Tonaufnahme schnell verschlissen“, berichtet Wenzel. Gut, dass der  Redaktion mit Andreas Ziemer ehrenamtlich auch ein Techniker zur Seite  stand. „Ich habe ihm gesagt, dass wir einen Schalter brauchen, der mit  einem Hammer bedient werden könnte, jetzt haben wir einen Eigenbau mit  drei großen Knöpfen, das Kästchen ist unkaputtbar.“
Die rund 30  ehrenamtlichen Sprecherinnen, es sind überwiegend Frauen aktiv, haben  sich in acht Gruppen zu jeweils drei Personen aufgeteilt. Jeweils  zweimal wöchentlich kommen sie zur Villa ins Tonstudio. „Ich habe zu  Hause schon Artikel angekreuzt, die ich einlesen möchte“, sagt  Vorleserin Margret Gerdes. „Falls zwei Artikel aus verschiedenen  Blättern zum gleichen Thema vorliegen, nehmen wir den, der uns besser  gefallen hat.“ Dreimal 30 Minuten ist die Länge einer Hörzeitung. „Das  eine oder andere Schmankerl ist auch dabei“, berichtet Gerdes. Im Kurier  am Sonntag hat sie gerade einen tollen Artikel über das einstige  Traditionslokal „Zum Storchennest“ an der Ochtum gelesen. Den will sie  ihrer Zuhörerschaft nicht vorenthalten.
„Für einen Artikel von 150  Zeilen benötige ich rund zehn Minuten“, sagt Christel Quast. Dann  betätigt sie die Klingel, Zeichen für die Kollegin am Mischpult, auf  Stopp zu drücken. „Ich lese mit Komma und Punkt“, sagt sie, die  Hörerschaft wird unter richtiger Betonung auf dem Laufenden gehalten.  „Artikel über Schulkinder lesen wir weniger, Gerichtsreportagen oder  Polizeiberichte sind von größerem Interesse“, sagt Quast. Es gehe ums  Geschehen in Delmenhorst und umzu. Dabei wird der Radius sehr eng  gezogen, Bremer Freimarkt sei okay, Harpstedt schon fast zu weit  entfernt.
Ab Mitte März musste das Tonstudio in der Villa  coronabedingt geschlossen bleiben. „Wir sind froh, seit Kurzem wieder  für unsere Hörer aktiv sein zu dürfen“, sagt Inge Mödden. Nur die  Geselligkeit habe gelitten, es gibt für die ehrenamtlich Aktiven kein  Stück Kuchen mehr nebenher und auch keinen Kaffee. Montags werden die  Lokalblätter gelesen, die freitags bis sonntags erschienen sind,  donnerstags kommen die Ausgaben von Montag bis Donnerstag an die Reihe.  „Auf diese Weise garantieren wir unseren Hörern, dass sie sieben  Ausgaben pro Woche zu Gehör gebracht bekommen“, sagt Jürgen Wenzel.
Sind  die Artikel eingelesen, werden die CDs kopiert und zum Versand  gebracht. 24 Abonnements gibt es dafür, "zu unseren besten Zeiten hatten  wir das Doppelte", sagt Wenzel. Junge Sehbehinderte seien sehr  technik-affin und bezögen ihre Informationen über digitale Kanäle.  "Unser Publikum sind eher die Späterblindeten, denen es schwer fällt,  die Punktschrift zu lernen", sagt Antje Wenzel. Vier Euro kostet das Abo  der Hörzeitung, "dafür gibt es über vier Wochen neun CDs. Die sind  übrigens wiederbeschreibbar und werden in den speziellen Versandtaschen  an die Villa zurückgesandt, "sonst würden wir ja viel zu viele Rohlinge  benötigen", sagt Wenzel. Was sich die Hörzeitungs-Macher noch wünschen,  sind weitere Sprecher. "Ob jemand eine laute Stimme hat oder eher leise  spricht, macht uns nichts aus", sagt Margret Gerdes. Während sich der  Vorleser hinter Glas in die Sprecherkabine setzt, bedient sie draußen  das Schaltpult. Über den Regler an einem Laptop kann sie Höhen und  Tiefen regulieren und regelt auch das Laut und Leise.
Den 20.  Geburtstag der Hörzeitung werden die Aktiven in kleinem Rahmen feiern.  „Wegen Corona ist keine Öffentlichkeit zugelassen, aber wir dürfen  unsere Sprecher zum Essen einladen“, sagt Jürgen Wenzel.

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Stadt würdigt freiwillige Helfer. Dickes Dankeschön für Ehrenamtliche in Delmenhorst
von Thomas Breuer

Delmenhorst.  Ohne das breite ehrenamtliche Engagement in Delmenhorst sähe es  schlecht aus. Diesen Eindruck vermittelte der Empfang „Ehrenamt verbindet“ am Mittwochabend in der Markthalle.
Mit warmen Worten, kalten Snacks und heißer Musik hat die Stadt  Delmenhorst am Mittwochabend in der Markthalle rund 100 Ehrenamtlichen  für ihr vielfältiges Engagement gedankt. Den versammelten Frauen und Männern bescheinigte Oberbürgermeister Axel  Jahnz: „Sie sind ein Aushängeschild. Nichts geht und funktioniert ohne  Ehrenamt.“

Erstmals stand die Feier unter dem Motto "Ehrenamt verbindet" und erstmals wurden von Oberbürgermeister Axel Jahnz (Mitte) auch die Ehrenamtlichen des Jahres gekürt
- in Person von Antje (72) und (Jürgen Wenzel (74), die seit mehr als 15 Jahren für die Delmenhorster Hörzeitung verantwortlich zeichnen und damit sehbehinderten und blinden Menschen einen großen Dienst erweisen.

Foto: Thomas Breuer
„Stille Helfer“ besonders hervorgehoben
Jahnz sprach mit Blick auf die freiwilligen Helfer von einer Säule der Gesellschaft, die unersetzlich sei. „Es geht nicht darum, wie alt man ist“, sagte er, „ehrenamtlich kann man sich immer engagieren.“ Ausdrücklich würdigte der Rathauschef diejenigen, die in Vereinen und Initiativen nicht in vorderster Reihe stehen, sondern als „stille Helfer“ wirken.
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Antje und Jürgen Wenzel gewürdigt
Eine besondere Würdigung als Ehrenamtliche des Jahres 2015 erfuhren am Mittwochabend Antje (72) und Jürgen Wenzel (74). Beide haben vor 15 Jahren die Hörzeitung ins Leben gerufen . Regelmäßig lesen sie dafür in einem Team Berichte aus dem dk vor, um sie auf CDs im MP3-Format an rund 40 blinde und sehbehinderte Menschen zu versenden. „Das ist eine wunderbare Aufgabe“, sagte die blinde Antje Wenzel über die selbst gestellte Aufgabe. Das von der Auszeichnung sichtlich überraschte Ehepaar bekam eine eigens vom Delmenhorster Künstler Jürgen Knapp geschaffene Skulptur überreicht. Sie zeigt eine Figur, die von anderen auf den Schild gehoben wird.

Ein Grußwort sprach in der Markthalle auch Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag (SPD). Sie dankte den versammelten Ehrenamtlichen für ihren Enthusiasmus und ihre Ausdauer.
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...und das schreibt die regionale Presse:

Delmenhorster Kreisblatt
Ein Artikel von Marco Julius 01.10.2015
Für Blinde und Sehbehinderte
Delmenhorster Hörzeitung seit 15 Jahren
Am 2.Oktober 2000 ist die erste Ausgabe der Hörzeitung erschienen.Ehrenamtliche lesen seitdem regelmäßig Texte für Blinde und Sehbehinderte ein.
"Wer uns einmal abonniert, der bestellt  nie wieder ab, das Abo endet erst mit dem Tod", sagt Jürgen Wenzel, der  Mann der ersten Stunde der Delmenhorster Hörzeitung, mit ganz eigenem Humor. In diesen Tagen  erinnert sich Wenzel an die Anfänge der Hörzeitung zurück, die er  gemeinsam mit seiner blinden Frau Antje vor genau 15 Jahren erstmals zum Klingen gebracht hat. Der damalige  Oberstadtdirektor Norbert Böse und der Behindertenbeauftragte der Stadt,  Uli Gödel, waren an die Wenzels mit der Frage herangetreten, ob sie sich vorstellen könnten, eine Hörzeitung zu  etablieren. Konnten sie, schnell fand sich ein großes Team von Sprechern  und Helfern,alle selbstverständlich ehrenamtlich aktiv.

1560 Ausgaben aufgenommen
"Wir machen die Hörzeitung für Leute, die mit eigenen Augen nicht mehr  lesen können", sagt Antje Wenzel. 1560 Ausgaben sind seit der Premiere  entstanden, Ausfälle gab es keine. "Nur ein Poststreik hat mal die Lieferung verhindert", erinnert sich  Jürgen Wenzel.
Zweimal in der Woche treffen sich Ehrenamtliche, eingeteilt in acht  Teams, sodass jedes Team nur alle vier Wochendran ist, um jeweils  ausgewählte Texte aus den drei aktuellsten Ausgaben des Delmenhorster Kreisblatts einzulesen. "Wir lesen nicht die  große Politik,sondern vor allem das, was vor der Haustür passiert",  erläutert Antje Wenzel. "Und die Todesanzeigen sind wichtig". Stark nachgefragt seinen auch Artikel der  Sonderseite "Von Hus un Heimat". Unsere örer sind ja Zeitzeugen, da  werden Erinnerungen wach", weiß Jürgen Wenzel.

Wechsel von Kassetten auf MP3-Format
Geschult worden sind die Vorleser nie, aber im Lauf der Jahre  immer besser geworden. "Das laute Lesen schult", sagt Jürgen Wenzel.  Angefangen habe man noch mit Tonkassetten, heute erscheint die Hörzeitung als CD im MP3-Format. Rund  90 Minuten lang ist eine Ausgabe. Die CD wird in Versandtaschen als  Leihgabe verschickt. Aktuell beziehen zwischen 30 und 40 Hörer im Seniorenalter die Hörzeitung. Das Abo kostet  monatlich vier Euro für acht Ausgaben plus die Sonder-CD "Hus un  Heimat". Ans Aufhören denken die Wenzels und ihre Mitstreiter übrigens noch lange nicht.

Mit Spaß bei der Sache (v.li.): Werner Seltenhorn, Petra Ahrens, Antje und Jürgen Wenzel, Jutta Dürer und (vorne) Edda Bruhn von der Hörzeitung
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Delmenhorster Kurier (Regionalausgabe des Weser-Kurier)
Andreas D. Becker 05.10.2015
Erlesenes aus der Tageszeitung

Antje Wenzel drückt auf die Play-Taste. Ein kurzer Moment der Stille,  dann tönt eine ernste, staatstragende Stimme durch den Raum: „Hier  meldet sich wieder Ihre Delmenhorster Hörzeitung.“ Der Satz klingt im leichten Echo aus. Das, was zuerst wie  eine Ansage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus den 50er-Jahren  wirkt, endet wie einst Edgar-Wallace-Streifen begannen. Seit 15 Jahren gibt es sie nun schon,  die Zeitungsnachrichten für blinde und schlecht sehende Menschen in der  Stadt, 1560 Ausgaben wurden seit dem 2. Oktober 2000 an die Abonnenten verteilt.

Werner Seltenhorn sitzt vor dem Mikrofon im Studio des Familienzentrums  Villa und liest gerade vor, was eine der drei in Delmenhorst  erscheinenden Tageszeitungen berichtet hat. Auf der anderen Seite der über die Jahre trübe gewordenen Scheibe hocken  die Mitstreiter des Teams, auf dem Tisch stehen schon einige Stücke  Zwetschenkuchen für das Päuschen. Immer montags und donnerstags wird vorgelesen, jeder im Team ist rund 23  Minuten im Einsatz, am Ende ist eine CD mit rund 90 Minuten Nachrichten  bespielt, die dann an die derzeit 30 bis 40 Hörzeitungs-Abonnenten versandt wird.

„Wir  lesen das, was für alle interessant ist“, sagt Jürgen Wenzel. Er ist ein Mann der ersten Stunde, „der Macher“ wird er auf der  Homepage genannt. „Und einiges mögen wir selbst nicht, das lassen wir  weg.“ Als das Trinkwasser mit Keimen verseucht war und die Stadtwerke gechlort haben, da haben sie nicht jede  Folgemeldung vorgelesen, in der sowieso nur stand, dass man noch nichts  Genaues wisse und erstmal weiterchlore. Immer nur das Schlechte, sagt Jutta Dürer, das wolle man  doch nicht hören. Deswegen gebe es manchmal auch einfach nette  Geschichten, und seien sie in einem Mitnehm-Heftchen in einem Geschäft gefunden worden. Und, ganz wichtig:  die Todesanzeigen, die müssen auch verlesen werden.

Antje Wenzel, selbst  blind und laut Homepage „die Seele“ des Teams, testet nach dem Brennen  der Silberlinge jedes Exemplar, ob es funktioniert. „Ganz wichtig ist aber, dass man einen CD-Spieler hat, der  auch MP3 erkennt“, erklärt sie. In den CDs befinden zudem kleine  Einkerbungen, sodass die Abonnenten sofort ertasten können, wie sie die Scheibe in ihr Abspielgerät einlegen  müssen. Wenn sie mit der CD fertig sind, packen sie sie zurück in die  Versandtasche, drehen das Adressetikett um und das Hörzeitungs-Team bespielt die CDs dann erneut  mit den Nachrichten aus den Zeitungen. Und weil es insgesamt acht Teams  gibt, ist jeder Vorleser nur ein Mal im Monat dran, zumindest theoretisch. Das Engagement artet also nicht in  Arbeit aus.

Vor 15 Jahren kamen  der damalige Oberstadtdirektor Norbert Boese und der städtische  Behindertenbeauftragte Ulrich Gödel auf Antje und Jürgen Wenzel und die anderen Mitglieder des Blindenvereins zu, ob  sie sich nicht vorstellen könnten, auch für Delmenhorst eine Hörzeitung  zu produzieren. Konnten sie, klar, warum auch nicht. Schnell fanden sich viele Helfer, die bereit waren,  mitzulesen. Ausgebildet ist von ihnen keiner, aber besser seien sie über  die Jahre geworden, die Routine der vielen Vorlesestunden in der Sprecherkabine machten sich bemerkbar. „Und  wenn wir uns mal versprechen, bleibt es drauf. Wir sind ja keine  Maschinen. Und es ist eine schöne Auflockerung“, sagt Jutta Dürer. Es gibt auch keine einheitlichen  Vorgaben, wie etwas gelesen werden muss, jeder macht es so, wie er es  für richtig hält.

Schnell hatte sich ein  Stamm von 49 Abonnenten etabliert. Dass er mittlerweile deutlich  kleiner wurde, ist wohl ganz einfach der Lauf der Dinge. „Unsere Hörer sind auch keine jungen Blinden“, sagt  Jürgen Wenzel. Aber es sind treue Hörer, die jedes Mal mit großer Freude  auf die Hörzeitung warten, auf die Nachrichten aus Delmenhorst (und nicht der weiten Welt). Und am Ende  einer jeden CD gibt es immer noch ein kleines Schmankerl, jedes Team  denkt sich zur Verabschiedung immer etwas anderes aus. Seit 1560 Ausgaben schon.

Wer mehr über die Hörzeitung erfahren oder sie beziehen möchte, besucht die Internetseite www.delmenhorster-hoerzeitung.de oder kann sich unter der Nummer
04221 / 5 12 21 melden.

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Nordwest Zeitung
Wissen, was in der Stadt passiert
Delmenhorster Hörzeitung wird 15 Jahre alt – Rund 40 Abonnenten
Julia Zube

Das Projekt soll sehbehinderten und blinden Menschen die Geschehnisse in Delmenhorst und Umgebung nahebringen. 36 ehrenamtliche Sprecher helfen mit.
Auf den Tag genau – vor 15 Jahren – hat alles begonnen. Am 2. Oktober 2000 wurde die erste Ausgabe der Delmenhorster Hörzeitung im Tonstudio des Familienzentrums Villa aufgenommen. Von Anfang an dabei waren Antje und Jürgen Wenzel.
„Wir wussten damals alle noch nicht so richtig Bescheid“, erinnert sich Antje Wenzel. „Damals haben wir ja noch mit Kassetten gearbeitet“, ergänzt ihr Mann.
Mehrere Stunden arbeiteten die beiden gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Helfern an der Ausgabe. „Abends um halb neun waren wir dann zu Hause. Das Endprodukt hat uns gezeigt: So können wir es nicht machen“, resümiert Antje Wenzel und lacht. Aller Anfang ist schwer.
Heute – 15 Jahre später – ist das Team der Delmenhorster Hörzeitung wesentlich besser organisiert. „Man lernt mit den Jahren dazu“, so Jutta Dürer, eine der insgesamt 36 Sprecherinnen und Sprecher, die das Projekt unterstützen.
„Wir wollten eine Zeitung machen für Leute mit Handicap, die mit ihren eigenen Augen eine Zeitung nicht mehr lesen können“, so Jürgen Wenzel. Heute sind es 30 bis 40 Abonnenten, die die Hörzeitung in Form von MP3-CDs beziehen. „Es ist wichtig, dass unsere Hörer ein MP3-fähiges Gerät haben“, so Ingrid Wenzel ,denn heutzutage arbeiten wir schließlich nicht mehr mit Kassetten“.
Zweimal in der Woche treffen sich die einzelnen Teams von vier bis fünf Personen im Tonstudio und lesen Artikel aus den Delmenhorster Tageszeitungen der vergangenen drei Ausgaben vor. „Wichtig für unsere Abonnenten sind die lokalen Ereignisse, nicht so sehr das weltpolitische Geschehen“, meint Ingrid Wenzel, die selbst blind ist. „Und die Todesanzeigen“, ergänzt Jutta Dürer.
Petra Ahrens ist an diesem Tag für die Technik zuständig. „Nach jedem Artikel speichere ich das gelesene Material“, so Ahrens. Edda Bruhn sitzt im Raum gegenüber und liest gerade einen Artikel. „Uns ist es wichtig, dass auch Menschen, die nicht oder kaum sehen können, wissen, was in ihrer Stadt passiert“, sind sich alle Beteiligten des Projekts einig.
„Wer unsere Zeitung einmal abonniert hat, hört sie ein Leben lang“ ist sich Jürgen Wenzel sicher.

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Delmenhorster Kreisblatt (16.02.18)
Delmenhorster Hörzeitung öffnet Tür
Zeitung zum Hören ist eine Herzensangelegenheit
Von Thilko Gläßgen
Wenn Jürgen Wenzels sonore Stimme erklingt, wissen die 30 Abonnenten der Delmenhorster Hörzeitung, dass es wieder Neuigkeiten aus Delmenhorst und umzu gibt. Mit seinem Team der Hörzeitung lädt Wenzel am kommenden Montag, 19. Februar, Interessierte zu einer Informationsstunde ein. Die Blindenzeitung öffnet dafür von 15 bis 16 Uhr ihr Tonstudio im Familienzentrum Villa an der Oldenburger Straße 49. Besonders an Angehörige und Freunde von Sehbeeinträchtigten und natürlich Blinde aus Delmenhorst und Umgebung richtet sich der Tag der offenen Tür.

Lokalteil des Kreisblatts wird eingelesen
Abwechselnd lesen acht Teams zu je vier Personen den Lokal- und Regionalteil des Delmenhorster Kreisblatts. Derzeit lesen mehr Frauen als Männer vor. Gerade erst ist ein Sprecher umgezogen, sodass der Verein nun nach Ersatz sucht. Nach dem Einsprechen werden die Artikel auf CD gebrannt und landen dann zweimal die Woche per Post in den Briefkästen der Abonnenten. Jeweils dienstags und freitags werden dann die vorangegangenen drei Tage von der Schlagzeile bis zu den Familienanzeigen vorgetragen.

Hörzeitung ist eine große Familie
Wenzel gehört mit seiner Frau Antje zu den Gründungsmitgliedern des Mediums. Er als Vorleser, während sie aufmerksam seiner Stimme lauscht. Mit jeder Stimme verbindet Antje Wenzel die Person, denn die Abonnenten und Vorleser der Hörzeitung sind laut ihrer Aussage eine große Familie. Zweimal im Jahr treffen sich alle und tauschen sich aus über ihre Herzensangelegenheit, die Delmenhorster Hörzeitung, aus.

Spaß am Vorlesen eint Ehrenamtliche
Während Jürgen Wenzel durch die Erblindung seiner Frau Antje schon lange im Blindenverein engagiert war, sind andere Mitglieder einfach so dem Sozialprojekt beigetreten. Sie eint der Spaß vorzulesen, denn sie wissen, dass ohne die Vorleser die Menschen auch ohne die Neuigkeiten aus dem Delmenhorster Kreisblatts auskommen müssten. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Hörzeitung.
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Delmenhorster Kurie
  • Hörzeitung in Delmenhorst
    Nachrichten zum Hören
    von Alexandra Wolff 30.07.2020

    Jürgen Wenzel und seine Mitstreiter sind mit Eifer dabei, für für Menschen mit Sehschädigung Nachrichten aus der Region zu sammeln und vorzulesen.

    Nicht immer sind nette Menschen parat, die Sehgeschädigten aus der Zeitung vorlesen. Die Delmenhorster Hörzeitung bietet in solchen Fällen eine Lösung an, wie Sehbehinderte Zeitungsinhalte trotzdem mitbekommen können. Dank der Delmenhorster Hörzeitung können sehgeschädigte Menschen seit 19 Jahren ohne Lupe, Lesegeräte und andere Hilfe entspannt im Sessel sitzen und die Nachrichten hören, die sie wegen ihrer Regionalität nicht aus dem Fernsehen erfahren können. „Versuchen Sie doch mal eine Zeitung mit der Lupe zu lesen“, erklärt Jürgen Wenzel von der Hörzeitung, wie er auf die Idee für dieses Projekt gekommen ist. „Da werden Sie verrückt bei!

    Unterschiedliche Sprecher lesen jeden Montag Artikel der Ausgaben Freitag bis Montag und donnerstags die Ausgaben von Dienstag bis Donnerstag mehrerer lokaler und regionaler Zeitungen ein – nur während der Corona-Krise nicht. „Das Tonstudio ist geschlossen“, zeigt sich Jürgen Wenzel von der Hörzeitung betrübt. „Aber alle unsere Hörer waren sehr verständnisvoll. Ihnen ist klar, dass wir die Zeitung mit Masken nicht so gut vorlesen können. Aber unsere Sprecher wollen auf jeden Fall nach der Krise weitermachen.“

    Die Artikel stammen auch aus dem WESER-KURIER und dem DELMENHORSTER KURIER, aber auch aus anderen Zeitungen. Dienstags beziehungsweise freitags haben die Hörer die CDs dann im Postkasten. Die Hörzeitung-CDs haben eine Laufzeit von mehr als 90 Minuten pro Ausgabe. Sie sind etwas länger als handelsübliche CDs, weil sie im MP3- Format laufen. Deswegen sollten Hörer darauf achten, ob ihr CD-Player das Format abspielen kann. Wer sich nicht sicher ist oder einfach testen möchte, ob dieser Service für ihn der richtige ist, kann laut Wenzel bei der Redaktion der Hörzeitung eine Muster-CD anfordern. „Ein MP3-fähiger CD-Player liegt bei den Kosten im zweistelligen Bereich“, nimmt Wenzel die Sorge vor zu hohen Ausgaben, sollte der zukünftige Hörer einen MP3-fähigen CD-Player kaufen müssen. Das CD-Laufwerk in einem Computer kann MP3 lesen.

    Zu Weihnachten bekommen alle Hörer eine selbsterstellte Weihnachts-CD – ebenfalls mit mehr als 90 Minuten Abspieldauer. „Alle Hörzeitungs-CDs sind und bleiben Eigentum der Hörzeitung“, betont Wenzel. „Auch die Versandtaschen, die an die Hörer für die Hin- und Rücksendung eingesetzt werden, sind leihweise im Umlauf.“ Portokosten entstehen den blinden und sehgeschädigten Hörern nicht, denn Blindensendungen werden in der EU kostenlos befördert.

    Dass das Seniorennetzwerk ein eingetragener Verein werden will, sieht Wenzel übrigens kritisch: „Ich werde kein Gründungsmitglied. Ich bin ein Vereinsmuffel“, sagt der 79-Jährige. „Ich kenne diese Vereinstümelei schon aus meinem Ruderverein.“ Seiner Meinung nach müsse das Netzwerk kein Verein werden, weil es alles, was es erreichen kann, auch so schaffen könne. „Beim Seniorennetzwerk weiß jeder vom anderen, was der leistet“, begründet Wenzel, weswegen er regelmäßig die Treffen des Seniorennetzwerks besucht. „So kann ich dann anderen Leuten zum Beispiel empfehlen, ins Nachbarschaftsbüro zu gehen. Und umgekehrt rät einer von denen jemandem, der nicht mehr so gut lesen kann, unsere Hörzeitung zu bestellen.“

    Er selbst habe auch schon bemerkt, dass das Seniorennetzwerk für ihn von Vorteil sein kann – vor allem die Gründerin Nicole Zakrzewski, die beim Bauverein arbeitet. „Wenn ich aus unserem Haus raus müsste, würde ich Nicole fragen, ob sie eine seniorengerechte Wohnung für mich und meine Frau hat.“

    Außerdem finde er es beeindruckend, wie viele andere Menschen sich ehrenamtlich für Senioren engagieren – genau wie er und seine Mitstreiter bei der Hörzeitung. „Alle Vorleser sind mit Spaß und Freude bei der Sache – und das hört man auch“, zeigt sich Wenzel überzeugt und richtet noch eine Bitte an die Leser: „Wenn Sie als Leser dieses Artikels auch selbst noch alles gut lesen können, dann kennen Sie vielleicht aber ja jemanden, der das nicht mehr kann und bei dem auch eine Brille nicht mehr ausreicht. Die, die wir erreichen wollen, können diesen Artikel ja nicht mehr lesen. Deswegen wäre es gut, wenn Sie diesen Menschen unsere Hörzeitung empfehlen.“


    Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 0 42 21/ 5 12 21

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